Home Office ist bei Arbeitnehmern beliebt. Immer mehr Arbeitgeber bieten das Arbeitszeitmodell zumindest ergänzend zur Präsenz in der Firma an. Neben den komfortablen Eigenschaften gibt es allerdings auch einige Fallstricke.

Der Traum vom Arbeiten in der Jogginghose wird durch den Vormarsch von Home Office bei immer mehr Arbeitnehmern zur Realität. Welche Vorteile hat der Heimarbeitsplatz? Auf welche Nachteile muss man sich einstellen? Wir haben Pro und Contra zusammengefasst.

Warum Home Office ein Segen für Arbeitnehmer ist

Mehr Zeit – weniger Stress

Ein Hauptargument für das Arbeiten von zuhause ist zweifelsfrei die Zeitersparnis. „Normale“ Arbeitnehmer eilen morgens im Rekord-Tempo vom Badezimmer zum Kleiderschrank um sich fertig zu machen. Im Home Office startet der Tag entspannt mit dem gemütlichen Gang zur Kaffeemaschine. In Unterwäsche – ohne Zeitdruck. Anstatt in der überfüllten S-Bahn oder im Stau zu stehen geht es direkt zur komfortablen Jogginghose – wohlfühlen leicht gemacht. Die ursprünglich für den Arbeitsweg „verschwendete“ Zeit wird genutzt um entspannt in den Tag zu kommen. Im Anschluss führt der Weg zum Laptop um die ersten Mails und Aufgaben des Tages zu prüfen.

Bei einem durchschnittlichen einfachen Arbeitsweg von 20 Kilometern eines Beschäftigten kommt einiges an Anfahrtszeit zusammen. Die kann effektiver genutzt werden als in öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto zu verweilen – Nervenschonung inklusive. Meistens startet man mit der Arbeit dann sogar noch vor oder zumindest zeitgleich mit den Kollegen die ins Büro fahren. Der Unterschied: man ist deutlich entspannter und gelassener da der Zeitdruck und die Hektik am Morgen komplett entfällt.

Auch der tägliche Stress im Büro entfällt in den eigenen vier Wänden. Die Lautstärke eines Großraumbüros, nervige Kollegen, streng getaktete Meetings und Besprechungen – alles weg. Zuhause bestimmt man die Taktung selbst und kann sich eigenständig entschleunigen wenn das Stress-Level ungewollte Ausmaße annimmt.

 

Flexibilität / Work-Life-Balance

Wer kennt es nicht: Behördengänge, Handwerker im Haus, Einkaufen, der überfällige Besuch beim Friseur, die Routineuntersuchung beim Zahnarzt. Neben der Arbeit muss auch privat so einiges abgewickelt werden wofür an einem normalen Arbeitstag kaum Zeit ist. Einen halben oder gar einen ganzen Tag Urlaub nehmen oder Termine in den frühen Abend legen? Nicht nötig. Im Home Office lässt sich vieles zwischendurch erledigen. Sind die ersten Mails und Aufgaben des Tages erledigt lässt sich ein privater Termin problemlos einschieben –  unbürokratisch und in Eigenregie.

Zwingend notwendige private Aufgaben werden im Arbeitsalltag integriert ohne den eigentlichen Job zu vernachlässigen. Das schafft entsprechende Freizeit die für einen gesunden Ausgleich zu den zahlreichen Verpflichtungen genutzt werden kann.Termine, beruflich wie privat, lassen sich durch die flexible Ausgestaltung im Home Office also perfekt kombinieren.

Die Abendstunden werden dann mit einem schönen Glas Wein anstatt beim Zahnarzt oder im Supermarkt genossen.

 

Geringere Kosten 

Der Arbeitsweg ist nicht nur aufwendig und zeitintensiv, sondern auch mit nicht unerheblichen Kosten verbunden. Monatskarte für Zug- und S-Bahn, Benzin, Leasing, Fahrzeugverschleiß – Arbeitnehmer müssen in die eigene Tasche greifen um in die Arbeit zu kommen. Ein Teil dieser Aufwendungen lässt sich über die Pendlerpauschale zurückerstatten, eine schwarze Null kommt letztlich leider trotzdem nicht heraus.

Nicht nur der Weg in die Arbeit ist mit Kosten verbunden. Der Aufenthalt im Büro geht mit Kantinenessen, Pausenkaffee etc. über einen kompletten Arbeitsmonat ins Geld. Home Office ist günstiger, das entsprechende Arbeitszimmer kann bei der Einkommenssteuererklärung mit bis zu 1.250 EUR geltend gemacht werden.

Selbstverständlich kostet der Lebensunterhalt während man zuhause arbeitet auch entsprechend Geld. Diese Kosten sind im Regelfall jedoch um ein vielfaches geringer als die tägliche Fahrt ins Büro und die dortige Verpflegung.

 

Warum Home Office ein Fluch für Arbeitnehmer ist

Soziale Kontakte? Fehlanzeige!

Wer den täglichen Austausch mit den Kollegen schätzt oder gerne am Kantinentisch über den Chef lästert ist im Home Office leider falsch aufgehoben. Zwar kann telefonisch ein gewisser Austausch stattfinden, dieser ersetzt aber in keinem Fall den persönlichen Kontakt mit den Kollegen. Auch der Flurfunk zu Gerüchten, Entwicklungen und Entscheidungen im Unternehmen geht zum Großteil an einem vorbei. Das führt oftmals zu einem nicht zu unterschätzenden Wissensdefizit. Braucht man den Input seines Teams um neue Ideen zu entwickeln dürfte der Heimarbeitsplatz ebenfalls eine schlechte Option sein.

So schön die Ruhe beim Arbeiten auch sein mag – die Einsamkeit kann über kurz oder lang zum negativen Einflussfaktor werden. Die Arbeitsergebnisse und die Arbeitsmotivation dürften dementsprechend schlechter werden – und das Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen dadurch wohl kaum besser.

Arbeit und Privates – don´t mix it! 

Viele unterschätzen die Vermischung von beruflichen und privatem in den eigenen vier Wänden. Die Kundenliste auf dem Küchentisch, der Quartalsbericht auf der Couch – schleichend aber konstant platziert sich die Arbeit über den gesamten Wohnbereich. Die Arbeit wird allgegenwärtig und beginnt sich eine ungünstige Präsenz in Ihrem Leben zu erkämpfen. Wer die Differenzierung zwischen Arbeits- und Wohnraum nicht kontrollieren und handeln kann sollte besser den Weg ins Büro wählen. Ansonsten läuft man Gefahr sein Privatleben der Arbeit überproportional unterzuordnen.

Wer hier noch schnell eine Mail schreibt und da noch schnell einen Anruf aus dem Arbeitszimmer tätigt obwohl die Abendstunden bereits fortgeschritten sind hat längst die Kontrolle über sein Privatleben verloren. Hier gilt es sich einen festen Feierabend zu definieren. Egal ob die Erledigung eines Vorgangs im Arbeitszimmer nur 5 Minuten in Anspruch nehmen würde. Job ist Job, und Schnaps ist Schnaps.

Eigenmotivation und Ablenkung 

Sobald einem der Chef nicht mehr regelmäßig über die Schulter schaut oder das Team einen nicht mehr mitziehen kann kommt es ganz auf die eigene Motivation und Eigeninitiative an. Diese ist im Home Office unabdingbar da die kritischen und prüfenden Blicke des Vorgesetzen und der Kollegen fehlen. Wer sich selbst nicht zu Höchstleistungen treiben kann weil kein Kontrollorgan in der Nähe ist wird mittelfristig einen Leistungsverfall erleiden. Der dürfte dem Arbeitgeber nicht lange verborgen bleiben.

Ein großes Risiko für Arbeitgeber im Home Office sind außerdem die reichlich vorhandenen Ablenkungen von der eigentlichen Arbeit. Egal ob Fernseher, zu erledigende Hausarbeiten, private Telefonate oder einfach das Mittagessen mit einem Freund. Gerade in den eigenen vier Wänden und der privaten Umgebung finden sich zahlreiche Tätigkeiten die von der Arbeit ablenken. Wer sich hier nicht disziplinieren kann und ein gesundes Maß findet sollte wieder den klassischen Weg ins Büro wählen. Zum eigenen Wohle und dem des Arbeitgebers.

Sales-Jungle Fazit Home Office

Ob Home Office Fluch oder Segen ist lässt sich pauschal nicht beantworten. Dafür ist dieses Modell zu sehr abhängig von den ausführenden Personen und deren individuellen Eigenschaften. Home Office kann für Arbeitnehmer in jedem Fall eine deutliche Steigerung der Flexibilität bewirken. Durch die gefühlte, gewonnene Freiheit und Unabhängigkeit können sich die Arbeitsergebnisse deutlich verbessern. Bei Arbeitnehmern mit hoher privater Belastung wie Müttern kann über dieses Modell eine deutliche Erleichterung des administrativen Aufwands bei besserer Leistung generiert werden.

Nicht zu unterschätzen ist jedoch die dezentrale Abwicklung des täglichen Geschäfts. Fernab von Kollegen und Vorgesetzten kann ein Mangel an sozialen Kontakten und ein Kommunikationsdefizit entstehen. Zudem muss die Gefahr der Vermischung von beruflichem und privaten bedacht werden. Hier kann es über kurz oder lang speziell innerhalb einer Partnerschaft zu Problemen kommen.

Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Ein Arbeitszeitmodell mit 2-3 Tagen im Home Office pro Woche und 2 Präsenztagen im Büro dürfte den idealen Mix darstellen. Dadurch können Arbeitnehmer alle Vorteile in Anspruch nehmen und die aufgeführten Risiken werden meist problemlos umgangen.